Sucht - wenn nichts anderes mehr zählt!

Veröffentlicht am 12. Dezember 2020 um 18:12

Wer hat nicht schon mal "einen über den Durst getrunken" wie es euphemistisch gern ausgedrückt wird oder ist bei einem Junggesellenabschied abgestürzt und wusste am nächsten Tag nichts mehr von seinen Peinlichkeiten. Zugegeben, so etwas kann vorkommen, solange es dabei bleibt. Unglücklicherweise ist das aber bei Vielen eben nicht der Fall. Denn der gelegentliche Alkoholrausch vielleicht zwei, drei Mal im Jahr wird dann schnell zur Regelmäßigkeit und spätestens dann kann das Ganze zu einem ausgewachsenen Problem werden. 

 

Suchtkriterien 

Ich sage bewußt kann, denn nicht Jeder, der öfter Alkohol konsumiert, wird zwingend auch davon abhängig. Denn dafür spielen viele Faktoren eine entscheidende Rolle, Die Menge ist dabei eher zweitrangig, denn was für den Einen viel bedeutet, kann für den Anderen nur wenig sein. Vielmehr geht es darum, die Kontrolle über den Anfang und das Ende des Konsums zu verlieren. Jedoch spielt die Zunahme der Konsummenge eine elementare Rolle. Denn mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an die Menge, sodass der Süchtige diese stets anpassen, sprich erhöhen muss, um den gleichen, gewünschten Effekt (Rausch) zu bekommen. Man spricht dabei von Toleranzentwicklung. Auch die Regelmäßigkeit ist von Bedeutung, also konsumiert man jeden Tag oder einmal pro Woche, aber dafür exzessiv. Desozialisierung ist ebenso ein wichtiges Kriterium. Dann nämlich beginnt man, sich mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Oder man vernachlässigt Familie, Freunde und etwaige Hobbys. Konsumiert man heimlich und an versteckten Orten und rechtfertigt dieses Verhalten etwa mit Ausreden und Lügengebilden. Wer regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg konsumiert, beginnt irgendwann, an Entzugserscheinungen zu leiden. Das können je nach Suchtmittel und Veranlagung physische und/oder auch psychische Symptome sein. An diesem Punkt angekommen, muss der Betroffene unweigerlich weiterkonsumieren, um das quälende Befinden zu lindern. Das können leichte Symptome sein, wie beispielsweise Schweißausbrüche und Händezittern, oder heftigere wie starke innere Unruhe, Schlafstörungen und Depressionen. 

Ich habe bisher jedoch nur über den Konsum bzw. Missbrauch von Alkohol gesprochen, einfach um das Geschriebene an einem Beispiel besser verdeutlichen zu können. Allerdings beziehen sich die Fakten, insbesondere die Suchtkriterien sowohl auf substanzgebundene Suchtmitteln wie Alkohol, alle Arten von Drogen, Medikamente und Nikotin als auch auf nicht-substanzgebundene, also Tätigkeiten wie Spielen, Sex, Arbeit und sogar Sport. Denn strenggenommen besitzt Alles mehr oder minder Potential zur Sucht. Die Unterschiede beschränken sich eher darauf, dass manche Suchtmittel gesundheitsschädlicher sind als andere. Aber ansonsten gelten für alle die gleichen Bedingungen. 

Suchtkriterien im Überblick 

  • Kontrollverlust über Anfang und Ende des Konsums 
  • Toleranzentwicklung (Konsummenge muss stets gesteigert werden) 
  • regelmäßiger Konsum
  • heimliches Konsumieren, Suchtmittel verstecken
  • Rechtfertigung des Konsums mit Ausreden und Lügen 
  • Desozialisierung (sozialer Rückzug, Vernachlässigung von Familie, Freunden, Hobbys) 
  • Entzugserscheinungen (physische und/oder psychische) 
  • evtl. Beschaffungskriminalität
  • weiterer Konsum trotz gesundheitlicher, sozialer, finanzieller Schäden 

Für die Betroffenen unter euch, die das hier lesen, aber nicht von Substanzen abhängig sind, sondern vielmehr von Tätigkeiten wie Spielen oder Arbeit, sollten versuchen, die oben genannten Kriterien einmal auf sich zu beziehen. Möglicherweise treffen die einen oder anderen Faktoren auch auf euch zu.

Diese neun Suchtkriterien sind meiner Meinung und Erfahrung nach die wichtigsten. In der Suchtforschung geht man davon aus, dass Betroffene, bei denen mindestens fünf davon auf sie zutreffen, potentiell suchtgefährdet oder bereits süchtig sind. Natürlich liegt es mir fern, euch mit dieser Aussage in Panik zu versetzen. Ich gebe an dieser Stelle lediglich gelesene Informationen aus diverser Fachliteratur wieder. 

Therapie 

Wessen Konsumverhalten sich derart drastisch entwickelt, dass Körper aber auch Psyche irgendwann rebellieren, gelangt früher oder später an einen Punkt, an dem für ihn professionelle Hilfe unabdingbar wird.

bald geht's auch hier weiter...