ADHS - das kreative Chaos!

Veröffentlicht am 21. Oktober 2020 um 17:54

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom

Was für ein mächtiges Wort! Also kommen wir erst einmal zur Begriffsklärung, zumindest zum ersten Teil dieses Wortes. Denn da schenen Einigen die Definition falsch zu interpretieren und unterliegen demnach dem Irrglaube, Aufmerksamkeitsdefizit bedeutet, nur geringfügige Beachtung durch Mitmenschen zu erhalten - dem ist natürlich nicht so.

 

Konzentrationsschwäche 

Es handelt sich vielmehr um eine mehr oder minder ausgeprägte Unzulänglichkeit des Konzentrationsvermögens. Betroffenen fällt es demnach schwer, ihrer Umwelt aufmerksam zu folgen, sei es im Beruf, unter Freunden oder bereits in der Schule. Da fallen die typischen Symptome erstmals deutlich auf. Während es anderen Schülern eher leichter fällt, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen, müssen sich ADHS-betroffene Kinder und Jugendliche doch sehr bemühen, nicht den Anschluss zu verlieren. Vielmehr lassen sie sich leicht ablenken oder lenken selbst andere Mitschüler ab, schwatzen häufig mit ihrem Nachbarn und stören mit diesem Verhalten so den Unterrichtsverlauf. Das macht sich bei vielen Schülern in mangelhaften Verhaltensnoten bemerkbar. Obwohl betroffene Schüler aufgrund ihrer Krankheit nicht weniger intelligent sind, schöpfen die meisten jedoch ihr wahres Leistungspotential nicht gänzlich aus.

 

Hyperaktivität 

Dieser Konzentrationsschwäche steht meistens eine eher somatische Beeinträchtigung gegenüber - die Hyperaktivität. Dabei handelt es sich vorrangig um einen permanenten Bewegungsdrang, um eine innere Unruhe, die quälend sein kann und sich nur sehr schwer zügeln lässt, zu kompensieren. Man hat das Gefühl, als würden eine Million Ameisen durch den Körper krabbeln. Die Symptome sind unter anderem auf der Stelle zu tänzeln, unruhiges Sitzen und stets das Gefühl verspüren, etwas tun zu müssen. Alles in allem ist es für die Betroffenen schwer, dies auszuhalten. Natürlich gibt es Mittel und Möglichkeiten, die anstrengenden Symptome zu lindern, denn eine Heilung von ADHS ist wie bei vielen psychischen und neurologischen Erkrankungen derzeit nicht möglich. Man kann lediglich die Symptome behandeln. Um beispielsweise den Bewegungsdrang zu kompensieren, sollte man eben genau das machen - sich bewegen! Aber nicht nur ein wenig durch die Wohnung gehen. Ich rede davon, Sport zu treiben und das so oft wie möglich. Man fühlt sich ausgepowert und auf eine natürliche Weise so entspannt, dass sogar das  innere Kribbeln deutlich gelindert wird! Nur kann man jedoch nicht 24 Stunden am Tag Sport treiben.

 

Therapie

Damit komme ich auf die Möglichkeiten der medikamentösen Therapie. Da ADHS zwar noch längst nicht gänzlich erforscht ist, gehört es doch zu den neurologischen Krankheiten, für die es mittlerweile schon wirkungsvolle und probate Medikamente gibt. Im Gegensatz zu hochpotenten Neuroleptika (wie Haloperidol oder Risperidon), die für ADHS in der Regel nicht angezeigt sind, haben nachfolgende Medikamente doch deutlich vertretbarere Nebenwirkungen. Allerdings gibt es auch hier Medikamente aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen. Zum einen wäre da Strattera® zu nennen, ein Medikament aus der Gruppe der Selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Meine Erfahrungen zeigten jedoch, dass Strattera® für ADHS nicht das beste Medikament ist. Ich persönlich habe keine nennenswerten Verbesserungen festgestellen können. Dafür hat es meine Vitalwerte ziemlich durcheinandergebracht. Mein Blutdruck stieg ebenso wie mein Ruhepuls deutlich an. Daher gibt es aus meiner Sicht keine Empfehlung für Strattera®. Bei drei bewährten Medikamenten, unter anderem weil sie bereits seit Jahrzehnten auf dem Markt sind, handelt es sich um Ritalin®, Medikinet® und auch Concerta®. Erstes wirkt akut, d.h. die Wirkung setzt in der Regel nach etwa 20 - 30 Minuten ein. Es ist aber auch als Retardpräparat erhältlich. Die anderen beiden gibt es nur retardiert, was bedeutet, dass sie ihren Wirkstoff über den Tag verteilt abgeben. Bei eben diesem Wirkstoff handelt es sich um Methylphenidat, ein Arzneistoff aus der Gruppe der Phenylethylamine. Alle Präparate, die Methylphenidat enthalten, haben bei ADHS-Betroffenen eine sogenannte paradoxe Wirkung. Da sie allerdings auch psychoaktiv wirken, unterliegen all diese Medikamente dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG).

 

Vorteile 

Allerdings bedeutet, an ADHS zu leiden, nicht nur mit den Schattenseiten der Krankheit leben zu müssen. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber diese Störung bringt auch durchaus positive Eigenschaften mit sich. So sind ADHSler oftmals kreativer als ihre Mitmenschen. Sei es in der darstellenden oder bildenden Kunst, der Poesie oder auch in der Musik. Berichten zufolge soll sogar W. A. Mozart an ADHS gelitten haben. Gesichert ist diese Behauptung allerdings nicht. Jedoch existieren in der Neuzeit viele Künstler, deren Kreativität durch das ADHS begünstigt wird, wenn man den wissenschaftlichen Hypothesen Glauben schenkt. Denn was genau im Gehirn passiert oder dafür derartiges Verhalten verantwortlich ist, wird nach wie vor erforscht. Wie erwähnt, besitze ich ebenfalls eine Affinität zur Kunst, insbesondere zur Musik und habe auch ADHS. Daher kann ich die Aussage durchaus bestätigen, es gäbe einen Zusammenhang zwischen ADHS und der subjektiven Kreativität. Auch haben viele Betroffene eine ausgeprägte Eloquenz, sind schlagfertig und besitzen ein schnelles Reaktionsvermögen.

bald geht's auch hier weiter...